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Enttäuschender Kirschbaum

„Ich habe gestern meinen Kirschbaum abgesägt.“ sagt meine Nachbarin. „Er hat mich enttäuscht.“ Ihr Schmollmund dehnt das „äu“ und ich kann mit ihr fühlen.
In einem 120qm großen Nutzgarten müsse man Prioritäten setzen. Und dieser Kirschbaum hätte zwar zig-Millionen bezaubernd zarter Blüten getragen und Millionen Andeutungen von Frucht-Embryos, aber schlussendlich hätten höchstens fünf Kirschen an dem Baum gehangen. Und so ginge das schon seit drei Jahren.
Nun musste er raus. Ersatz hatte sie auch schon. Im Nachbargarten steht ein wunderschöner, immer reichlich Kirschen tragender Baum. Von dem hat sie sich, weil die Besitzer zur Zeit in Südostasien herumreisten, drei Zweiglein abgeschnitten. Einfach rüber gestiegen sei sie über den Zaun. Schließlich hatte der Garten ja noch vor wenigen Wochen ihrem Freund gehört. Dass er nicht nur den Garten, sondern auch sie verlassen hatte, wusste ich bereits.
Die drei erbeuteten Zweiglein trug sie in die Baumschule des Nachbarortes. Dort sollen sie „winterhart“ gemacht werden. Aufgepfropft werden sie; auf andere starke Zweige. Nun darf sie hoffen. Im September soll es soweit sein. Das kleine Bäumchen kann sie dann holen und einpflanzen. Ihre Augen leuchteten.
Vorher musste sie aber noch die Reste des alten Kirschbaums entfernen. Dies hat sich als nicht so leicht erwiesen. Zart wie sie ist, haben ihr die armdicken Wurzeln gestern doch mehr Zeit und Kraft abverlangt als sie hatte. Ihr neuer Freund muss mal mit der Axt vorbeikommen.
„Und irgendwann können wir gemeinsam Sauerkirschmarmelade kochen“, sagte sie mit himmelwärts gerichtetem Lächeln. „Denn essen können wir die vielen Früchte ja doch nicht auf einmal!“ träumte sie weiter und auch mir lief das Wasser im Mund zusammen angesichts des zu erwartenden Wunders.

Veröffentlicht von Eva Luna am